Alles steht still (Auszug aus der titelgebenden Story)

Hier ein Auszug aus der Titelstory meines Erzählbands „Alles steht still“:

In der Mystik gibt es keinen Fortschritt, denn alles steht still. Diesen Satz notierte Herbert Sendemann, bevor er sich dem Licht übereignete. Sendemann (…) war endlich im Jetzt angekommen, der permanenten Gegenwärtigkeit. Seine Schüler saßen an Sendemanns Bett, und er tröstete sie mit seinen Aphorismen. Ohne Erfolg hatte er ihnen beizubringen versucht, dass der Tod nicht existiert und dass wir ewig leben, insofern wir wahrhaftig und aufrichtig lieben. Ihm selbst war es erst spät im Leben geglückt, Liebe zu empfinden, Liebe und Mitleid für alle fühlenden Wesen. (…)

All die Bücher, die Meditationen, die Reisen nach Asien hatten nichts gebracht. Am Ende fand Sendemann heraus, dass es nicht um ewiges Leben ging, sondern darum, es ewig mit sich selbst auszuhalten. War er dafür bereit? Er wusste es nicht. Um sich bei seinen Freunden zu entschuldigen, hatte Sendemann sogar ein Buch geschrieben, in dem er sich bei ihnen bedankte und sich zu seiner Liebe zu ihnen bekannte. Indessen fühlte sich sein Herz immer kälter an, steinig wie ein Acker. Worum war es in den 1960ern gegangen? Um den Fortschritt, in Form einer Revolution. Konnte man die Geschichte der Menschheit als sukzessiven Fortschritt betrachten? Im Grunde war auf spiritueller Ebene alles gleichgeblieben. Es gab Gott, den Kosmos, die Liebe. An diese Faktoren musste man sich halten und sich in harter Selbstdisziplin üben, um schließlich Erleuchtung zu erfahren.“

Das Corona-Tagebuch erscheint!

In Zeiten der Corona-Krise führten die in diesem Band versammelten Autor*innen, Künstler*innen und Fotograf*innen ein außergewöhnliches Tagebuch, das sich aufgrund seiner Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit von vergleichbaren Publikationen abhebt. Leser*innen werden bemerken, dass die pure Energie der Kreativität, die hinter diesen Texten, Gedichten, Bildern und Fotografien steckt, einzigartig ist und qualitativ äußerst hochwertige Ergebnisse zeitigt. Die Tagebucheinträge sind von individueller Verschiedenheit und reichen von sehr persönlichen, emotionalen bis hin zu eher nüchternen, sachlichen künstlerisch-literarischen Erzeugnissen. Genau diese Mischung lässt unser Corona-Tagebuch so spannend und m.E. sogar atemberaubend ausfallen. In diesem – glücklichen – Fall erzeugte der Lockdown also eine kreative Kraft, die im Bestfalle vielen Leser*innen ebenfalls eine solche übermittelt(e) und sie durch die Krise begleitet(e). Im März 2020, zu Beginn der Krise, initiierten Rüdiger Heins, Mitherausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift „Experimenta“, und ich dieses Projekt. Schon nach kurzer Zeit stießen viele Autor*innen und Künstler*innen dazu, um in täglicher Disziplin ihre Beiträge auf Facebook zu posten. Der vorliegende Band versammelt eine Auswahl dieser Posts, die sich über die Monate März 2020 bis Juli 2021 erstreckten. Genießt also dieses umfassende, positive Zeugnis aus den Zeiten der Pandemie!

Mit Beiträgen von:

Rüdiger Heins, Dr. Annette Rümmele, Jens-Philipp Gründler, Vinzenz Fengler, Isabella Lehmann, Henriette Tomasi, Anja von Wins, Helga Zumstein, Ilona Herres-Schiefer, Barbara Rossi, Ulrike Damm, Sigrid Hamann, Peter Reuter, Christian Sünderwald und Jürgen Fiege.