Das Corona-Tagebuch II

Müßiggehende Sonnenbadende

Münster, den 21. Dezember 2020

Was ist das für eine Welt, die uns täglich in den Medien präsentiert wird? Ich weiß es nicht! Existiert diese Welt überhaupt? Wie in einem Durchlauferhitzer wird uns jeden Tag ein Ausschnitt aus einer Daseinssphäre serviert, die vor allem auf Sensationen zu beruhen scheint. Existiert die medial veranschaulichte Welt denn auch, wenn ich sie komplett ignoriere und gar nicht wahrnehme? Ein großer Dichter und Musiker schrieb einmal:

„A world war

Was announced

Days ago

But they didn’t know

The lazy sunbathers“

In diesem Song liegen die „müßiggehenden Sonnenbadenden“ auf der faulen Haut. Sie sind so sehr damit beschäftigt, ihr Dasein zu genießen, dass sie nicht einmal mitbekommen, wie ein Krieg angekündigt wurde. Wie geht es denjenigen, die gar keine Medien konsumieren? Wie geht es denen, die gar nichts von der um sich selbst kreisenden Nachrichtenwelt wissen? Sehr gut, würde ich sagen! Denn sie haben das Privileg, ein glückliches Leben zu führen. In der TV/Internet-Welt geht es immer darum, Informationen zu sammeln und sie mundgerecht, häppchenweise weiterzugeben. Ist es denn nicht legitim, sich von Medien jeglicher Art fernzuhalten? Was nützt es mir, wenn ich Statistiken betrachte und mich verrückt machen lasse? Nichts! Wie sagte doch der hellsichtige Tübinger, Friedrich Hölderlin:

„Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt,

ich weiß von nichts als meiner seligen Insel.“