Das siebente Siegel

Münster, den 19. April 2020

Als sterbender Ritter in Ingmar Bergmans historischem Filmdrama „Das siebente Siegel“ hatte der Anfang März 2020 verstorbene Schauspieler Max von Sydow seinen internationalen Durchbruch. In dem 1957 erschienenen Film kommt der Ritter Antonius Block vom Kreuzzug aus dem Heiligen Land wieder und findet seine Heimat von der Pest verwüstet vor. Der Tod erscheint ihm bei Sonnenaufgang, um ihm mitzuteilen, dass seine Zeit gekommen sei. Block schlägt dem Tod eine Partie Schach vor, in der die Entscheidung über sein Leben fallen soll. Solange die Partie nicht entschieden ist, wird ihm Aufschub gewährt. Falls Block aber gewinnt, soll er verschont werden.

Das Wüten der Pest oder des „Schwarzen Todes“ nahm in Schweden etwa 1350 seinen Anfang. Diese hatte ihren Weg von Norddeutschland über Dänemark und Norwegen genommen. Wie in Albert Camus´ Roman „Die Pest“ handelt es sich bei der Seuche auch in Bergmans Film nicht um eine simple Krankheit, sondern vielmehr um eine Personifikation der im Menschen verankerten, zerstörerischen Kräfte. Darüber hinaus besteht eine vom Regisseur bestätigte Analogie zwischen der Pest und der Atombombe. Bergman beschrieb diese folgendermaßen: „Aus diesem Grunde ist [der Film] gemacht worden, er handelt von der Todesangst. Durch ihn habe ich mich von meiner Todesangst befreit.“

Nicht nur wegen der Corona-Pandemie ist „Das siebente Siegel“ hochaktuell, sondern auch aufgrund des darin gezeigten Gegensatzes zweier kollidierender Weltanschauungen. Während Ritter Block für eine christlich-religiöse Überzeugung steht, vertritt sein Knappe Jöns atheistisch-skeptische Positionen. Diese personifizierten Gegensätze können als Verkörperung des modernen Menschen betrachtet werden, der über die Unsicherheit der menschlichen Kondition nachdenkt. Dabei hindert ihn sein Zynismus daran, die Existenz von Dingen außerhalb der sichtbaren Welt wahrzunehmen.

Der Film endet damit, dass der Tod den Ritter Block Schachmatt setzt und ankündigt, ihn nun zu sich zu holen. Bei Tagesanbruch wird eine den Horizont entlangwandernde Prozession gezeigt: Der Tod geht voran und zieht die zum Sterben Verurteilten wie bei einem Totentanz hinter sich her.

Regisseur Bergman benannte das Thema des Films wie folgt: „Das siebente Siegel ist eine Allegorie mit einem sehr einfachen Thema: der Mensch, seine ewige Suche nach Gott und dem Tod als einziger Sicherheit.“