Die Apokalypse wird verschoben

Münster, den 13. April 2020

Am gestrigen Ostersonntag sah und hörte ich auf MTV Adeles wundervollen Song „Skyfall“, den die britische Sängerin zum gleichnamigen James Bond-Film beisteuerte. Es handelte sich um ein schlichtes Video, ausschließlich die Lyrics erscheinen vor einem verschwommenen Hintergrund, offenkundig in Meerestiefen gefilmt. Als ich den Titelsong „Skyfall“ im Jahr 2012 erstmals zu Ohren bekam, war ich gleich begeistert, vor allem aufgrund des apokalyptischen Textes: „For this is the end / I’ve drowned and dreamt this moment“. Adele besingt hier augenscheinlich das Weltende, welchem wir aufrecht stehend, miteinander vereint begegnen sollen: „We will stand tall / Face it all together“. Die düsteren, meisterhaft im Song dargelegten Visionen künden davon, was wir im Moment des Himmelssturzes empfinden, wie wir uns am Ende aller Tage verhalten. Von kollidierenden Welten und finsteren Tagen ist da die Rede, von einem zerfallenden Himmel. Indes stellt der „Skyfall“ nicht das absolute Ende dar, denn das lyrische Ich im Song betrachtet den Niedergang als Chance eines Neuanfangs.

Zu Ostern und zur Corona-Krise erweist sich der von Adele und Paul Epworth geschriebene Titel als hochaktuell, ist ihm doch die „Anmutung von sowohl Begräbnis als auch Wiedergeburt“ zu eigen, wie Produzent Epworth zu Protokoll gibt. Wir sehen uns dieser Tage einem endzeitlichen Szenario gegenüber, schauen in den Nachrichten auf Massengräber auf dem New Yorker Hart Island und auf Militärlastwagen, die nachts unzählige Särge aus norditalienischen Städten abholen. Pressestimmen verglichen derartige Szenen mit Dantes Inferno.

Allen Schreckensbildern und -nachrichten zum Trotz leben wir derweil weiter, genießen den sommerlich anmutenden Ostersonntag, zeigen, von einigen Ausnahmen abgesehen, Solidarität und Nächstenliebe. So soll es bleiben, denn der menschliche Überlebenswille ist stark ausgeprägt. Er geht so weit, dass wir sogar im Angesicht der Apokalypse weitermachen, solange bis die Krise überwunden ist. Danach erwartet uns eine neue, hoffentlich bessere Welt.