Die beste aller möglichen Welten?

Münster, den 24. März 2020

Dieser Tage fällt es uns über die Maßen schwer, das Gute zu erkennen, hinter all dem offenkundigen Übel, welches sich gerade abzuspielen scheint. Ganz bewusst, sage ich „scheint“, eben weil im täglich medial präsentierten Übel auch das Gute mitschwingt, wie ich meine. Unsere Welt besteht aus Gutem und Bösem, es leitet sich aus der menschlich limitierten Sichtweise her, derzufolge wir einem Schwarzweißdenken anhängen. Der begrenzte Verstand des Menschen macht das Treffen einer Auswahl notwendig, so vergessen wir, dass sich Gutes und Böses bis in die kleinsten Verästelungen miteinander vermischen. Jeder Gedanke, sogar die kleinste, uns unbedeutend erscheinende Gemütsregung entspricht der Richtungsbewegung einer Kompassnadel. Und wenn schon die geringsten Bewegungen unseres Geistes tendenziell pauschal ausfallen, dann trifft dies in einem noch größeren Maße auf unsere Gedanken und Erwägungen zu. Es ist jetzt notwendig, das eigene Denken zu disziplinieren, um dem Übel, das uns infiziert, den Kampf anzusagen. Man könnte dies „geistige Hygiene“ nennen.

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 -1716) bezeichnete die Welt als die beste aller möglichen. Was wollte er damit sagen? Bestimmt nicht, dass das aktuelle Weltgeschehen gut sei. Der Satz wirkt auf den ersten Blick naiv, ja gefährlich sorglos. Jedoch steckt dahinter die Annahme eines dynamischen Geschehens, welches gewissermaßen sub specie aeternitatis, unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit, betrachtet werden muss.

Kaum jemand würde Leibniz´ Satz in Zeiten der Corona-Krise zustimmen. Im Gegenteil, die Mehrheit würde sich dagegen stemmen, sich gar durch die Worte angegriffen fühlen. Dennoch, auch die aktuelle Lage trägt eine künftige Entwicklung in sich. Insofern das Geschehen dynamisch ist, dürfen wir auf eine Erneuerung unserer Gesellschaft hoffen. Optimistisch sollten wir auch jetzt sein, uns nicht durch die Krise verunsichern und ängstigen lassen. Es zeigt sich derzeit solidarisches Verhalten unter den Menschen, und aber auch das Gegenteil, der Egoismus. Das Virus lehrt uns, Bescheidenheit walten zu lassen, rücksichtsvoll miteinander umzugehen, einander zu helfen.

Leibniz´ Postulat von der besten aller möglichen Welten bezieht sich auf eine Welt im Wandel, die sich – im Wechselspiel von guten und üblen Kräften – in Richtung eines Idealzustandes entwickelt. Dabei hilft es m.E., unser Denken, Agieren, Fühlen wie die bereits erwähnte Kompassnadel zu betrachten. Richten wir uns auf den Pol der Hoffnung aus, glauben wir daran, dass aus der Krise etwas Besseres erwachsen wird! Versuchen wir, negatives Denken zu vermeiden, um es im Optimismus aufgehen zu lassen. Fragen wir uns bei jedem Gedanken, der in uns entsteht, ob er uns gut tut, oder nicht. Sorgen wir in unserem Inneren für eine positive Grundhaltung, denn eine solche wirkt ansteckend und trägt dazu bei, die virulente Panik, Hoffnungslosigkeit und Schwarzmalerei zu relativieren, erträglicher zu machen.

Abschließend zitiere ich noch einmal Leibniz: „Die Gegenwart ist schwanger mit dem Kommenden; die Zukunft ließ sich in der Vergangenheit lesen; das Ferne wird im Nahen ausgedrückt.“