Ein falsches Signal

Münster, den 9. Mai 2020

 

Zuletzt traten der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, oder sein Stellvertreter Lars Schaade zweimal wöchentlich vor die Kameras, um den aktuellen Stand der Corona-Pandemie zu kommentieren. Von Seriosität und wissenschaftlicher Nüchternheit getragen, waren diese Auftritte. Man hatte den Eindruck, die auf sachlicher Ebene argumentierenden Forscher ständen für Neutralität und man hörte ihnen gerne zu. Denn im tosenden Ozean der medial vermittelten Meldungen, im aufbrausenden Meer der Fakenews und Verschwörungstheorien brauchte man einen solchen verlässlichen Rettungsanker. Von Wissenschaftsseite geprüfte und kommentierte Fakten stellten einen Kompass dar, an dem man sich orientieren konnte, vermeintlich. Gelegentlich konnte man sich schon fragen, ob der Einfluss von Virologen und anderen Medizinern auf die Politik zu groß sei. Oder ob es ein Wechselspiel zwischen beiden Seiten gab und gibt. Alarmierende wissenschaftliche Daten führten zu größter Vorsichtigkeit und daraus resultierten die von Bund und Ländern verordneten Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Angesichts der Masse von auf das Coronavirus bezogenen Nachrichten mussten wir eine Wahl treffen. Wem glaube ich, welche Meldungen sind zu vernachlässigen? Auf die Forscher schien man sich verlassen zu können, gingen ihre Argumente doch mit einer erfrischenden Rationalität einher, so hatte es den Anschein. Auch als das RKI Zahlen korrigieren musste, verbuchte man das als vertrauenerweckenden Akt, denn auch ein Experte kann sich mal irren.

Jetzt aber wurde von Seiten des RKI ein Kommentar zu den Ansteckungsgefahren korrigiert. Es geht um die Übertragung der Viren durch Aerosole, fein verteilte Stoffe in der Luft. Zuerst hieß es, eine Ansteckung sei auf diesem Wege nicht wahrscheinlich. Die aktualisierte Einschätzung besagt, derartige „aerogene Übertragungen“ seien „theoretisch möglich“. Das Vertrauen in die Kompetenz der Wissenschaftler kann einem aufgrund solcher erheblicher Korrekturen durchaus abhanden kommen.

Jetzt stellt das Robert-Koch-Institut seine Pressekonferenzen ein, und gibt dadurch ein falsches Signal: Es mutet an, als sei die Corona-Krise nicht mehr bedeutsam genug, um regelmäßig von Seiten des Instituts kommentiert zu werden.