Eine harmlose Grippe?

Münster, den 25. April 2020

 

Es fühlt sich schon seltsam an, beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Gesichtsschutzmaske zu tragen. Seit April besteht die bundesweite Maskenpflicht und man sieht, wie sich auch das Maskentragen als neuartige Komponente unseres stark eingeschränkten Lebens durchsetzt. Seitens der Bürger*innen wird diese Pflicht akzeptiert, es gibt keinen Protest, zumindest keinen nennenswerten. So wird die Maskierung zur Normalität, nach und nach.

Geschäftsleute berichten, dass viele Kunden sich genieren, mit der Maske vor Nase und Mund ihre Läden zu betreten. Auch die Abstandsregelung sorgt für Verwirrung und allzu vorsichtiges Verhalten. So kann man beobachten, dass die potentiellen Kunden nicht genau zu wissen scheinen, wann sie in die Ladenlokale kommen dürfen. Vorsichtshalber hält man übertriebenen Abstand, und wartet, bis man zum Eintreten aufgefordert wird.

In Bezug auf die Lockerung der Maßnahmen kann man andererseits sehen, dass eine steigende Zahl von Menschen wieder ein relativ sorgloses Verhalten an den Tag legt. An den Ufern der Spree etwa sonnen sich massenhaft Flaneure, auch wenn sie den Mindestabstand einhalten. Trotzdem ist ein gewisser Unmut zu bemerken. Man hat die Beschränkungen satt, obwohl die Gefahr längst nicht gebannt ist. Immer öfter hört man von gefährlichen Verharmlosungen der COVID-19-Pandemie. „Das Härteste ist überstanden“, oder „Corona ist harmloser als eine Grippe“ und ähnliche Einlassungen sorgen für einen laxen Umgang mit der Atemwegserkrankung. Derweil warnen Virologen vor einer zweiten, heftigeren Welle von Infektionen.

Übertreibt es die Politik mit ihren Maßnahmen, und schürt die Wissenschaft unnötige Ängste? Man kann es nicht genau sagen. Die Vorsichtsmaßnahmen werden von einem Großteil der Bevölkerung gutgeheißen, die schrittweisen Lockerungen ebenfalls. Dennoch sind Angst vor Corona und Sorge um die eigene Gesundheit laut Umfragen statistisch gesunken. Wird die Pandemie nicht mehr ernst genug genommen? Oder wird ihr, im Gegenteil, zu viel Aufmerksamkeit geschenkt? In der Beantwortung dieser Fragen sollten wir den immer empfehlenswerten Mittelweg wählen. Die Gefahr ist groß, zum einen. Zum anderen: Ein lässigerer Umgang mit dieser ist durchaus zu beobachten. Dennoch sollten wir weder in Panik verfallen noch allzu große Lässigkeit walten lassen. Auch wenn man den Eindruck bekommen könnte, dass in den Medien zu viel Aufhebens um die Corona-Krise gemacht wird, gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren.