Genug?

Münster, den 11. April 2020

Dem stetigen Kreisen der Gedanken um die Corona-Krise überdrüssig, neigen wir dazu, wieder über andere Probleme nachzudenken. Wirtschaftliche und persönliche Schwierigkeiten rücken in den Vordergrund, man liebäugelt mit der Möglichkeit einer Lockerung der einschränkenden Maßnahmen. Besucht man zurzeit die Städte, so erweisen sich diese als leer und von einer gespenstischen Atmosphäre geprägt. Insofern beliebte Ausflugsziele nicht gesperrt sind, ziehen sie indes Massen von Menschen an. Zwar halten sich diese größtenteils an die Auflagen, flanieren nur in Zweiergruppen und vermeiden Picknicks, tendieren aber dazu, ein festtägliches, beinahe sorgloses Freizeitverhalten an den Tag zu legen. Sicher, man hat genug von den permanenten Meldungen um und über das Virus, kann das C-Wort nicht mehr hören.

Wiegen wir uns in falscher Sicherheit? Immer wieder wird von Seiten der Wissenschaft und der Politik betont, dass wir uns am immer noch am Anfang der Pandemie befinden, auch wenn die Verdopplungszeit der Infektionen mittlerweile bei siebzehn Tagen liegt. Das Vertrauen der Deutschen in ihr Gesundheitssystem ist groß. Allerorts hört man von freien Betten auf den Intensivstationen und davon, dass die Todesrate in Deutschland im weltweiten Vergleich sehr gering sei. All diese Nachrichten beruhigen uns, und wir gehen zur Tagesordnung über.

Die ständige Konfrontation mit den Negativ-Schlagzeilen lässt uns müde werden. Selbst die Horrorszenarien in den USA schockieren uns nicht mehr. Wir verlassen uns darauf, dass alles glimpflich verlaufen und gut gehen wird. So genießen wir das prächtige Frühlingswetter und spazieren durch die sprießende Natur. Vereinzelt hört man von einem neu aufkeimenden Denunziantentum oder von häuslicher Gewalt. Aber diese Fakten blenden wir aus, kreisen um uns selbst, beschäftigen uns wieder mit anderen Problemen, als mit Corona.

Der vielgepriesene Mittelweg zwischen Ignoranz und falscher Panik scheint die beste Lösung zu sein: Bleiben wir wachsam und passen auf uns und die weniger Starken auf. Halten wir uns an die Tatsachen und ignorieren reißerische, im Netz verbreitete Neuigkeiten. Eine nüchterne Sichtweise ist von dringender Notwendigkeit.