Kultur – eine Lebensnotwendigkeit

Münster, den 5. Mai 2020

In der öffentlichen Debatte um die Lockerungen der aufgrund der Corona-Pandemie getroffenen Einschränkungen geht es vor allem um wirtschaftliche Fragen, was wichtig und notwendig ist. Die Diskussion kreiste um eher praktische Angelegenheiten, wie die Öffnung von Friseuren und Baumärkten, also um physische Dinge. Dass unser kulturelles Leben bedroht ist, wird nur am Rande erwähnt. Kinos, Theater, Museen sehen sich ebenso einer existentiellen Krise gegenüber wie etwa die Autoindustrie. Und: Kultur ist ein Lebensmittel; eine Notwendigkeit, um nicht entmenschlicht zu werden. Musik, Filme, Gemälde befriedigen ein zutiefst humanes Bedürfnis, das Verlangen nach Über-Körperlichkeit. Wir bestehen nicht nur aus einer immanenten, physischen Hülle, sondern auch aus Emotionen, Gedanken, Sinnlichem. In der Kultur wird dieser Aspekt seit Jahrtausenden von künstlerischer Seite beachtet und bearbeitet. Aus dem Pleistozän stammende Höhlenmalereien sind genauso ein Beleg für die menschliche Sehnsucht nach Transzendentem, Metaphysischem wie frühe religiöse Rituale. Der Mensch will über sich hinauswachsen und sich erheben. Verharrte er nur auf ökonomischer, körperlicher Ebene, würde er vermutlich nicht zugrunde gehen, aber innerlich veröden.

Deshalb ist es so wichtig, dass der kulturelle Betrieb am Laufen gehalten wird, dass Kulturschaffende unterstützt werden, finanziell wie auch moralisch. Viele Künstler*innen finden Wege, sich online auszudrücken und so den Hunger nach Kultur zu stillen. In der Krise erschaffen sie Parallelwelten, die uns aufzeigen, wie man mit dem Ausnahmezustand umgehen kann. Gerade in dieser Situation ist Kunst so wichtig, denn sie hilft uns dabei Alternativen zu finden. Nach und nach dürfen die Ausstellungshäuser wieder Publikum empfangen. Als eines der ersten öffnet der Berliner Gropius Bau am 11. Mai wieder seine Türen. Weitere werden folgen. Zudem wird das aufgrund von einschränkenden Maßnahmen gewachsene Online-Kunstangebot wohl weiterhin ein wichtiger Faktor im kulturellen Leben bleiben. Denn auf diese Weise kann Kunst unmittelbar erlebt werden, auch im Dialog mit den Künstler*innen.