Happy Shopper

Münster, den 24. Dezember 2020

Es ist gut so, denkt man: Die Shoppingmeilen im Kern unserer Großstädte sind verwaist. Doch der stumpfe Konsumismus endet nicht, auf keinen Fall! Die Kaufsucht der Menschen verlagert sich auf die großen Anbieter im Internet. Der „happy shopper“ bestellt fleißig beim Online-Händler. Kaufen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Kaufen, um sich besser zu fühlen. Kaufen, weil man es nicht anders kennt. Kaufen, weil man süchtig nach den neuesten Artikeln geworden ist. Die Kleidung übersteht höchstens noch eine Saison, dann werden die Billigprodukte aus Fernostasien entsorgt. Das neue iPhone will erworben und besessen werden – es ist ein Trauerspiel.

Pauschal mag diese Kritik anmuten, pauschalisierend und eindimensional. Trotzdem bahnt sie sich hoffentlich ihren Weg, in die vom inhumanen Materialismus ermüdeten Hirne. Kaltherzige Roboter shoppen, bis die Kreditkarte raucht. Leider ist der Ausflug in die von internationalen Ketten dominierten Einkaufszonen nicht möglich, zurzeit.

Man träumt von einer Welt, in der Wildschweine und Rehe, Wölfe und Ratten die Städte zurückerobern. Tatsächlich sah und sieht man – im Lockdown – wie Tiere sich wieder in die Citys wagen. Man träumt von einer Welt, in der Baumwurzeln den Asphalt aufreißen, in der Stämme und Äste das Fassadenglas der Kaufhausketten und Banken zertrümmern. Diese Zeit wird kommen, die Natur wird am Ende als Siegerin dastehen. Die Märkte werden längst vergessen, ihre Insignien, die hohen gläsernen und stählernen Gebäude zertrümmert sein. Langsam aber sicher, werden wir wieder zu Menschen werden. Unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit, werden sich die kommenden Generationen besinnen und selbst Weihnachten wird ohne Kaufrausch ablaufen. So die Hoffnung.

Hoffen wir auf einen Bruch, hoffen wir auf ein Ende des stumpfsinnigen Konsumismus.