Lee „Scratch“ Perry

Münster, 17. Mai 2021

Dass der Reggae-Musiker, Produzent und Sänger Lee „Scratch“ Perry eine Ausnahmeerscheinung ist, eine Legende von beinahe kosmischer Strahlkraft, wird durch Zitate wie das folgende offenbar. In seinem 1973 gebauten Black Ark Studio in Kingston, Jamaika, zeichnete Perry seine avantgardistische Musik mit einem herkömmlichen Vierspurgerät auf. Er selbst beharrt auf dieser Behauptung, gibt aber zu bedenken: „It was only four tracks written on the machine, but I was picking up twenty from the extraterrestral squad (…)“. Perry, der 2003 mit dem Grammy für das beste Reggae-Album ausgezeichnet wurde, gilt als „Jamaican E.T.“, so auch der Titel der preisgekrönten Platte. Mit Bob Marley produzierte Perry Anfang der 1970er mehrere Songs, und veredelte die Produktionen mit seinem einzigartigen, exzentrischen Sound. In einem Wutanfall setzte Perry sein Black Ark Studio schließlich in Brand, um danach in den Vereinigten Staaten und Großbritannien eine Reihe von Kollaborationen anzutreten. Sein Stil ist eigenwillig, denn Perry legt einen Rap-artigen Singsang über seine mit Dub-Echos versehenen Beats und Stücke. Man nennt ihn den Erfinder des Dub-Reggaes. Im vergangenen März wurde Perry, der seit einiger Zeit in der Schweiz lebt, 85 Jahre alt. Doch von Ruhestand kann nicht gesprochen werden, im Gegenteil. Perry veröffentlicht jährlich mindestens ein Album, dazu kommen die vielen Zusammenarbeiten mit Künstlern wie Adrian Sherwood, The Orb, Bill Laswell, aber auch Keith Richards und George Clinton. Es scheint, als sei Perry in einen Jungbrunnen gefallen, wie ein groß gewordenes Kind musiziert und singt er ohne Unterlass. Hoffentlich bleibt seine Kreativität ungebrochen, so dass wir uns noch viele Jahre an seinem kreativen Output erfreuen können.