Paul Wulf

Münster, 6. Mai 2021

Auf dem Münsterschen Servatiiplatz, zwischen Hauptbahnhof und Fußgängerzone zentral gelegen, steht eine Skulptur, die den regional berühmten Antifaschisten Paul Wulf zeigt. Im Rahmen der Skulpturprojekte 2007 wurde das Werk der Künstlerin Silke Wagner erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. 2020 beschloss die Bezirksregierung Münster-Mitte, diesen Gedenkort für Paul Wulf dauerhaft zu erhalten.

Wer war Paul Wulf? Er war ein Kämpfer, ein unermüdlich tätiger Held, der eigentlich Opfer hätte sein sollen. Paul Wulf, dessen antifaschistischer und antimilitaristischer Einsatz in heutigen Zeiten relevanter denn je ist, wurde 1938 im Paderborner Landeskrankenhaus zwangssterilisiert. Die Diagnose lautete: „angeborener Schwachsinn ersten Grades“. Nach seiner Entlassung leistete Wulf Widerstand gegen das NS-Regime. Er verübte Sabotageakte und konspirierte mit Kriegsgefangenen. Auch deckte er nach Ende des sog. Dritten Reiches faschistische Strukturen auf und machte die Biografien von Tätern publik, deren Karrieren nach dem Krieg weitergingen. So recherchierte Wulf auch über die Nazi-Vergangenheit des Münsteraner Professors Dr. Otmar Freiherr von Verschuer, der die grausame „Zwillingsforschung“ leitete. Sein bekanntester Schüler war der KZ-Arzt Josef Mengele. Das gesammelte Material stellte Wulf der Öffentlichkeit in Form von Collagen zur Verfügung. 1991 erhielt Paul Wulf das Bundesverdienstkreuz. Bis zu seinem Tod im Jahre 1999 blieb Wulf ein antifaschistischer Kämpfer, der sich nicht scheute, seine Zwangssterilisation öffentlich zu thematisieren. Täglich recherchierte er in Archiven und Bibliotheken, um die Ergebnisse seiner Forschungen öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Am 2. Mai 2021 wäre Wulf einhundert Jahre alt geworden.