Tulpa

Münster, 21. Februar 2021

Beim Schauen der grandiosen dritten Staffel von „Twin Peaks“ stolperte ich über den Begriff „Tulpa“, den ich vorher noch nie gehört hatte. Laura Dern, fantastisch in ihrer Rolle als ehemalige Assistentin des FBI-Agenten Dale Cooper (Kyle MacLachlan), spielt eine solche Tulpa, ein exaktes Duplikat ihrer selbst. Der Begriff Tulpa bezeichnet in der tibetischen Mythologie eine Manifestation von Gedanken, die durch reine Willenskraft entsteht. Bei bewusster Erzeugung kann jede beliebige gewünschte Gestalt hergestellt werden. So wurde auch die Tulpa von Diane Evans (Laura Dern) kreiert, in den 1990ern von Dale Coopers Doppelgänger. Es handelt sich um eine gedankliche Emanation, eine imaginäre Freundin.

Im tibetischen Buddhismus gilt der Dalai Lama als Emanation-Reinkarnation des Bodhisattvas des Mitgefühls, Chenrezig. Der 14. Dalai Lama gab zu Protokoll, dass sein Nachfolger noch zu seinen Lebzeiten in Erscheinung treten könnte, via Emanation.

David Lynch, Schöpfer der Serie „Twin Peaks“, fasst die Idee, welche er mit einem Gedanken gleichsetzt, als eine Art Samenkorn auf, aus der Großes erwachsen kann:„An idea is a thought. It’s a thought that holds more than you think it does when you receive it. But in that first moment there is a spark.“